Kein Kölsch für Nazis

Der Verfassungsschutzbericht NRW 2007 hat 256 Seiten. Die rechte Bewegung „Pro Köln“ schafft es, auf Seite 2 zum ersten Mal genannt zu werden. Vom 19.-21. September lädt besagte Bewegung zum Anti-Islamisierungskongress in die Domstadt. Für die Hauptkundgebung gegen die Kölner Moschee ist eine illustre Runde „patriotischer Spitzenpolitiker aus Frankreich, Österreich und Flandern“ angekündigt:
Henry Nitzsche, seit Februar 2008 Vorsitzender der von ihm gegründeten Wählervereinigung „Bündnis Arbeit, Familie, Vaterland – Liste Henry Nitzsche“. Erlangte Berühmtheit mit einem Auftritt bei einer CDU-Veranstaltung zum Thema Patriotismus im Juni 2006. Seine Aussage nach Ohrenzeugenberichten: Man brauche Patriotismus, damit Deutschland nie wieder von Multikultischwuchteln in Berlin regiert werde.
Filip Dewinter, Fraktionsvorsitzender Vlaams-Belang (Flämische Interessen). Slogan der rechtsextremen Vorgängervereinigung Vlaams Block (der Flämische Block), die immer noch Verwendung findet: „Eigen volk eerst“ (Eigenes Volk zuerst).
Mario Borghezio, ist Mitglied der Lega Nord und Abgeordneter im Europäischen Parlament. Er zündete im Jahr 2000 in Turin Zelte von Immigranten an und besprühte im Zug Turin-Mailand Sitze, um sie „zu säubern“, da vorher nigerianische Prostituierte darauf gesessen hätten.
Hans-Christian Strache, Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Die Warnungen der FPÖ vor „Überfremdung“ hörten sich in der Vergangenheit etwa so an: „Deutsch statt nix versteh’n'“, „Daham statt Islam“, „Herr im eigenen Haus bleiben“ oder „Pummerin statt Muezzin“ (Wahlkampf zur Nationalratswahl 2006).
Jean-Marie Le Pen, Vorsitzender der französischen Front National. Bis dato 25 Mal rechtskräftig verurteil wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen.
Interessant: Uwe Berger, Vorstandsmitglied von pro NRW, distanziert sich von der Einladung Le Pen’s. In der Diskussion über einen Beitrag auf dem WAZ-Portal DerWesten.de erklärt er, Le Pen sei ein „Haudegen“, der auf dem Kongress eigentlich nichts zu suchen habe, aber man habe ihn als erstes eingeladen und dann hätte man die Einladung nicht mehr zurück nehmen können. Außerdem gäbe es pro NRW erst seit 2007 und da sei man halt noch in der Findungsphase. Bestechende Logik.
Die Kölner machen inzwischen mobil gegen den Kongress: Unter dem Motto „Kein Kölsch für Nazis“ haben sich Kölner Gastronomen und Kulturschaffende zusammengeschlossen, Plakate und Bierdeckel gedruckt und ein Kulturprogramm auf die Beine gestellt. Programm und Infos hier und hier.
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